Was Martin Schulz hat stolpern lassen …

Schulz‘ Qualifikation ist/war die des „Dampfplauderers“ ohne inhaltliche Ambitionen — das hat ihn zum Schluss gefällt. Leider sind Dampfplauderer aber bei der veröffentlichten Meinung zunächst sehr beliebt, denn sie sind unterhaltsam und intellektuell wenig anstrengend. Der Typus des beharrlichen Arbeiters im Hintergrund, ohne Glamour und hochtrabendes Reden, ist dagegen wenig unterhaltsam; seine Effizienz und Effektivität stellt sogar ein dauerhaftes schlechtes Gewissen für alle diejenigen dar, „die auch einmal fünfe gerade sein lassen wollen“.

Wer in diesem meinen Klassifizierungsversuch die Personen Schulz (oder auch Lindner) einerseits, Merkel andererseits wiederzuerkennen glaubt, dem sage ich: ja, genau so habe ich es gemeint! Merkel regiert hocheffizient, erfolgreich und nachhaltig unser Land, ist dabei aber eine wenig „strahlende“ Persönlichkeit – und das wertet sie für den Boulevard eben ab. Man denke: diese Frau kocht zu Hause tatsächlich Rouladen — können Sie sich Lindner oder Schulz bei hauswirtschaftlicher Arbeit vorstellen?

Übrigens: der Typus des hart im Hintergrund arbeitenden Menschen war früher der klassische sozialdemokratische Arbeiter — heute ist diese Rolle von der CDU-Kanzlerin besetzt. Hat das in der Journaille benutzte Wort von der „Sozialdemokratisierung der Union“ etwa auch etwas mit diesem Phänomen zu tun?

„Opfer“ im Ehrenamt?

Heute ist der internationale Tag des Ehrenamts / der Freiwilligen / oder wie das auch immer gerade genannt wird. Jedenfalls geht es darum, Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, zu würdigen und zu ehren, und das finde ich gut!

Weniger gut finde ich ein Sprüchlein, das gerade in Deutschland immer dann, wenn es um Ehrenamt geht, geklopft wird: dass wieder einmal Ehrenamtliche „ihre Freizeit geopfert“ haben oder einen ähnlichen Schmarrn!

Leute, nehmt zur Kenntnis: wer sich ehrenamtlich engagiert, macht dies nicht, „um ein Opfer zu bringen“ oder sich von anderen wortreich bedauern zu lassen. Ich zumindest bin ehrenamtlich an verschiedenen Stellen im Roten Kreuz, in der Kirche, in der Kultur tätig, weil mir dies Spaß macht und ich für mich selbst einen tieferen Sinn in dieser Aktivität erkenne – von „Opfer“ kann da aber keine Rede sein! Und ich glaube, dass viele, wenn nicht alle anderen Ehrenamtlichen das auch so sehen werden, falls sie nicht gerade masochistisch veranlagt sind. Und im Umkehrschluss: wenn mir ein Ehrenamt irgendwann keinen Spaß mehr machen sollte, dann beende ich es und suche mir eine andere Freizeitbeschäftigung – ich werde jedenfalls aber kein „Opfer bringen“ oder „meine Freizeit opfern“, um eine Aufgabe zu übernehmen, die mir keine Freude mehr macht. Das ist nämlich das besondere am Ehrenamt: dass man es beginnen kann, weil man selbst „Bock darauf hat“ und auch damit aufhört, wenn es einem nicht mehr gefällt, und das ganz ohne finanzielle Interessen.

Das ist aber auch eine wichtige Botschaft für Gruppierungen, Vereine und Institutionen, die mit ehrenamtlich Tätigen zusammenarbeiten: ihr habt die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass es für Ehrenamtliche eben Spaß macht und Erfüllung bringt, bei euch mitzumachen – auf „Opfer“ dürft ihr aber nicht spekulieren, denn dann sind eure Ehrenamtlichen bald weg und dann werdet ihr sehr rasch merken, was ihr falsch gemacht habt.

Also: wer mich und Millionen andere Ehrenamtliche am heutigen 5. Dezember erfreuen möchte, der entwickelt die Rahmenbedingungen in seinem Bereich so, dass es uns Freude bereitet, an der gemeinsamen Aufgabe mitzumachen – aber bitte: redet nicht vom Opfer! Wir sind nämlich keine „Opferbringer“, sondern Menschen, die miteinander arbeiten, um unsere gemeinsame Welt ein kleines Stückchen weit zu verbessern – meinetwegen durchaus aus Verantwortungsbewusstsein, aber immer vor allem aus Freude an der Sache!

Strafzumessung

Heute wird vehement in verschiedenen Medien über die Strafzumessung für einen der „Aktivisten“ (ich nenne sie „Chaoten“) anlässlich des G 20-Gipfels in Hamburg diskutiert. Zum Sachverhalt: das zuständige Gericht hatte für das Werfen von Flaschen auf Polizeibeamte sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eine Freiheitsstrafe von 31 Monaten verhängt – der Aufschrei auf Facebook, in verschiedenen Blogs und auch in Rundfunk und Fernsehen war groß!

Nur: ist das wirklich so ungewöhnlich? Die angeklagten Taten lassen einen Strafzumessungsspielraum von 6 Monaten bis 10 Jahren Freiheitsstrafe zu. 10 Jahre sind 120 Monate; mit 31 Monaten liegt damit das Strafmaß bei unter einem Drittel der Höchststrafe – sicherlich keine exorbitant hohe Quote. Das Jammern, dass der Täter ein Ausländer (Niederländer) ist, der „ja nicht wissen kann, dass das Werfen von Flaschen auf Polizeibeamte in Deutschland so hoch bestraft wird“, trifft ebenfalls ins Leere, denn: wenn ich in der Schweiz mit dem Auto zu schnell unterwegs bin oder in Enschede falsch parke, muss ich ebenfalls die dort üblichen Strafmaße ertragen und kann mich nicht mit Unwissenheit herausreden. Und dass eine Strafaussetzung auf Bewährung nicht erfolgte, liegt in der Natur der Sache – das geht nämlich nur bei Freiheitsstrafen bis zu 24 Monaten, scheidet also bereits aus rechtlichen Gründen hier aus.

Ich kann also an diesem Strafmaß nichts Verwerfliches finden – immer vorausgesetzt, die tatsächlichen Gründe halten stand. Und dass irgendwelche Randalierer – unabhängig ob von links oder von rechts – damit nochmals eindrücklich vor Augen geführt bekommen, dass Angriffe auf Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Rettungskräfte in unserem Land kein Kavaliersdelikt sind, ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt nach vorne hin zu einer wieder deutlicher werdenden Respektkultur gegenüber den Menschen, die für die Sicherheit und den Schutz ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger zu sorgen haben!

Air Berlin – ich bin da skeptisch!

Air Berlin ist Pleite – daran gibt es wohl nichts mehr zu rütteln. Und die Bundesregierung stopft in diesen Laden noch 150 Mio. Euro, dem eigenen Bekunden nach, um den Urlaubern, die mit Air Berlin nach Malle oder sonstwohin geflogen sind, die Rückkehr sicherzustellen.

Nur: stimmt das überhaupt? Wer im Urlaub nach Malle oder in die Türkei oder in die DomRep oder nach Thailand oder nach XXX jettet, macht das in aller Regel im Rahmen einer Pauschalreise – und die Pauschalreisenanbieter müssen ihre Kunden auch nach Ausfall des Flug-Carriers zurückholen. Nix also mit „Gefahr, nicht aus dem Urlaubsort zurückzukommen“ – hier sind die Reiseveranstalter gefordert und weder die Bundesregierung noch der Steuerzahler.

Bleiben also die Individualreisenden. Und da finde ich: wer mindestens in den vergangenen drei Monaten so blöd war, einen Flug bei Air Berlin zu buchen, der ist selbst schuld, wenn er jetzt festsitzt. Dass Air Berlin kurz vor der Pleite steht, pfiffen die auf den Titelseiten der Tageszeitungen – und mehr noch auf den Wirtschaftsseiten – domizilierenden Spatzen bereits seit Wochen und Monaten von allen nur erreichbaren Dächern. Wer trotzdem noch bei Air Berlin gebucht hat, hat dies sehenden Auges getan – entweder, um die defizitären Minipreise dieser Airline noch ein letztes Mal nutzen zu können oder weil er risikogeil ist und mal sehen will, wie das ist, wenn man nicht mehr nach Hause kommen kann. Aber auch hier sehe ich keine Notwendigkeit, dass Bundesregierung oder Steuerzahler diese Zocker jetzt mit Millionensummen absichern – der Ruhrpottler würde sagen: „selbst in Schuld“!

Was bleibt? Ich gehe davon aus, dass anders als Frau Zypries uns gestern glauben machen wollte wahrscheinlich die Rückzahlung dieser Bürgschafts/Kreditsumme eben nicht gesichert ist. Woll’n ma‘ rechnen: 150 Millionen Euro sind für jeden Bundesbürger vom Baby bis kurz vor dem Grabe stehend ca. 2 Euro. Also denke ich darüber nach, bei meiner nächsten Steuerzahlung die auf mich entfallenden 2 Euro abzuziehen mit dem Hinweis darauf, dass Frau Zypries hier Steuergeld in die Tonne gekloppt hat, ohne dafür rechtlich noch moralisch verpflichtet gewesen zu sein – und vor allem, ohne dass hierzu schon rein technisch eine Notwendigkeit bestand. Und Firmen, die wie Air Berlin inzwischen seit vielen Jahren defizitär gewirtschaftet haben, sollten daraus lernen: ein Geschäftsmodell darauf aufzubauen, dass den eigenen Kunden letztendlich durch den Steuerzahler „der Arsch gerettet wird“, ist zutiefst unmoralisch und hat jedenfalls mit Sozialer Marktwirtschaft im Sinne von Müller-Armack und dem unserer Gesellschaft immanenten Subsidiaritätsprinzip nichts, aber auch garnichts zu tun!

„Omatag“ auf der LaGa

Landesgartenschau in Bad Lippspringe – ein schöner Anlass, um mit Isas und meiner Mutter einen Tagesausflug dorthin zu machen. Katharina und Valentin haben sich uns angeschlossen, und unser Mazda 5 konnte mal wieder seine Qualitäten als Familienkutsche ausspielen.

Der Tag war anspruchsvoll: Frühstück mit Katharina und Valentin zu Hause, dann Oma Anni abholen, Weiterfahrt nach Lage, Oma Erna dazupacken, Weiterfahrt nach Bad Lippspringe bis zum LaGa-Parkplatz, von dort mit dem Shuttlebus bis zum LaGa-Gelände, E-Scooter für Oma Erna am Eingang abholen und zur Shuttle-Haltestelle bringen, und dann endlich(!) aufs Gelände.

Ein schöner Tag (obwohl mir Bad Essen vor ein paar Jahren besser gefallen hat), und auch das Wetter hat gehalten. Erst zum Kaffee gegen 1700 Uhr ging der Regen los. Anschließend die umgekehrte Prozedur wie bei der Hinfahrt, und kurz nach 2100 Uhr waren wir dann wieder zu Hause.

Der Tag hat sich für uns und vor allen für die Omas gelohnt!